«Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Menschen, welche die Welt nicht angeschaut haben« Alexander von Humboldt (deutscher Naturforscher und Forschungsreisender, 1769-1859)
Donnerstag, 27. November 2014
Dienstag, 25. November 2014
Ich renne und weiss nicht warum...
Eigentlich habe ich vor keine
Grenzübertritt Geschichten mehr zu schreiben. Doch erstens kommt es
anders und zweitens als man denkt...
Ich sitze im direkten Zug von Almaty
nach Urumqi. Der Zug ist sehr spärlich besetzt und ich habe wieder
ein Abteil für mich. Ich habe zwar etwas Obst, Kaviar und einen
Liter Wasser als Proviant dabei, habe aber gehofft, dass es einen
Speisewagen gibt, was jedoch leider nicht der Fall ist.
In Aktogay (Kasachstan) habe ich jedoch
die Möglichkeit, bei -20 Grad Aussentemperatur, meine Vorräte etwas
aufzufüllen.
Um 17.00 Uhr am Folgetag kommen wir in
an die Kasachisch/Chinesische Grenze. Viel habe ich bereits gelesen
über die Schikanen der chinesischen Grenzbeamten und den Problemen
welche sie Touristen bereiten können. Doch soweit sind wir noch
nicht – zu erst ist der kasachischen Zoll an der Reihe. Ein
Zollbeamter verlangt meinen Pass und mustert ihn genau. Er spricht
kein englisch deutet mir jedoch an, dass ich ihn begleiten soll.
Warum ist mit nicht klar. Wir steigen aus dem Zug, wo uns eine eisige
Brise fast wegweht und gehen in das Bahnhofsgebäude in ein Büro.
Seine Kollegin erklärt mir in gebrochenem Englisch, dass ich mich
nach 5 Tagen Aufenthalt in Kasachstan registrieren lassen muss. Da
heute aber bereits der 6. Tag in Kasachstan ist, müsse ich eine
Strafe von 18'500 Tenge, umgerechnet ca. 85€, bezahlen müsse.
Plötzlich zupft mich der männliche
Zöllner am Ärmel und fordert mich auf ihn zu begleiten. Wir
verlassen das Bahnhofsgebäude und er beginnt zu rennen. Ich renne
mit ihm mit. Ich weiss zwar nicht wieso, aber ich renne. Kläffende
Hunde begleiten uns durch dieses staubige kleine Nest und ich habe
Angst von einem gebissen zu werden. Genau das würde mir jetzt noch
fehlen – ein Hundebiss an der kasachisch/chinesischen Grenze.
Wir betreten ein Holzhaus, in dem
offenbar eine improvisierte Bank ist. Das ist also der Grund wieso
wir gerannt sind – die Bank schliesst demnächst. Ich kann den
Betrag scheinbar nicht direkt beim Beamten bezahlen, sondern muss ihn
auf der Bank einbezahlen. Ich habe nur noch 15'000 Tenge im
Geldbeutel. Der pflichtbewusste Polizist schiesst mir 3'500 Tenge vor,
welche ich ihm später in Form von 'Dollar Amerikanski' zurückgebe.
Anschliessend gehen wir wieder zurück
in Richtung Bahnhof , steuern aber vorher in ein anderes Gebäude und
er stellt mich seinem Chef vor. Der Boss offenbart mir seine
spärlichen Deutschkenntnisse „Eins, zwei, drei, vier,
fünf...Hitler ist tot“. Ja der gute, alte 'Dölf' scheint hier in
Kasachstan wirklich ein Begriff zu sein. Dannach folgt eine Menge
Papierkram und ich kann dem Zug wieder zusteigen.
Durch diese ganze Kontrolliererei
erhält der Zug eine Stunde Verspätung und ich habe ein schlechtes
Gewissen den anderen Reisenden gegenüber.
Doch noch ist nicht fertig
kontrolliert, denn mein Gepäck steht noch an. Es wird mir befohlen
alles aus meinem Rucksack auszupacken und jede Unterhose umzudrehen.
Meine Fotos und Videos der Reise werden mit Argusaugen begutachtet
und ich muss ein Messer, welches ich dabei habe abgeben – ich werde
es nicht mehr zurück erhalten. Das ganze Prozedere dauert nochmals
eine halbe Stunde, bis dann der Zug endlich in Richtung China
losfährt.
Und der chinesische Zoll? Die
interessierts nur ob ich allenfalls Karten oder Reiseführer dabei
habe, bei welchen die Grenzen Chinas in Konfliktregionen nicht zu
ihren Ungunsten eingezeichnet sind. Ansonsten wünschen sie mir einen
schönen Aufenthalt ich China und verabschieden sich freundlich...
| Chaos nach der Gepäckkontrolle |
| Meine erste Suppe in China ist...eine Instant Noodle Soupe.. |
Schwabenland Almaty und Heil Hitler
Almaty ist einer dieser typischen
Oststädte, bei welcher sich die Stadtplaner auf die Fahne
geschrieben haben, mit der Zeit ein Klein-München oder Klein-Florenz
zu erschaffen. Strassen werden geschlossen, Fussgängerzonen und
Flaniermeilen errichtet. Dass diese Städte dadurch ihren
ursprünglichen Charme und Identität verlieren, ist dabei nicht von
Bedeutung. Ergänzt von dieser Entwicklung wird das Ganze mit pseudonationalen Denkmälern, von welchen Almaty übersäht ist.
In Almaty gut kasachisch essen zu
gehen, ist mittlerweilen auch gar nicht mehr ganz so einfach. Pizza,
Burger und co. haben auch hier schon längst die Küchen erobert. Es
entstehen schottische oder schwäbisches Themen-Restaurants in
welchen die Angestellten, in selber gestalteten Trachten, den
Einheimischen etwas das Gefühl geben westlich zu sein – zumindest
kulinarisch.
Ich kann es den Menschen aber nicht
verübeln, dass sie sich nach Jahren des Sowjetregimes nach etwas
Anderem sehnen und den alten Genossenfilz ablegen wollen. Deshalb
steht, alles was mit dem Ausland, zu tun hat hoch im Kurs. Vor allem
Deutschland hat es den Kasachen angetan. So werde ich in einem
„schwäbischen“ Restaurant von einer Gruppe Kasachen mit 'Heil
Hitler' und gestrecktem Arm verabschiedet, nachdem sie erfahren
haben, woher ich komme und welche Sprache ich spreche. Oder Michael,
ein älterer Taxifahrer, schwört auf alles Deutsche. „Franzosen,
Engländer oder die Amerikanski – alles pfui, erklärt er in
gebrochenem Deutsch und spuckt dabei fiktiv auf den Boden seines
alten Autos! Er beginnt Loblieder auf den Führer zu anzustimmen und
beschimpft eine muslimische Frau mit ihren Kinder, welche kurz vor
dem Taxi die Strasse überquert, als eine Ziege mit ihren
Ziegenkinder. „Kasachen, Russen..alles Scheisse!“ und zieht an
seinem fiktivem Abzug seiner fiktiven Pistole. Micheael und so
mancher Bürger Kasachstan's leben in einer fiktiven Welt...
| Die Armut lässt auch Aömaty nicht aus.. |
| Kathedrale von Almaty |
| Polizist |
| Soldatendenkmal |
| Kriegsdenkmal |
| ...und ein weiterer Palast... |
Montag, 24. November 2014
Samstag, 22. November 2014
Zuggeschichten
Reges Treiben herrscht im Bahnhof
Aktöbe (Kasachstan). Soeben ist der Zug Nr. 7, Moskau – Almaty,
eingefahren. Viele Menschen verlassen den Zug und noch mehr steigen
ihm zu. Bislang hatte ich viel Platz im Viererabteil. 2 Nächte habe
ich alleine im Abteil verbracht – bei der Kommenden wird dies
höchstwahrscheinlich nicht mehr so sein.
Ich verlasse den Zug um einige Fotos zu
machen. Es ist bitter kalt draussen, -15 Grad! Nach ein paar
Aufnahmen drängt mich die Kälte wieder zurück in den Zug. In
'meinem' Abteil haben sich bereits zwei junge Kasachen breit gemacht.
Jirschan und Jokhan sind Semi-Profiboxer und hatten in Aktöbe je
einen Kampf und dadurch ein wenig Geld verdient. Jetzt sind sie auf
dem nach Hauseweg nach Chimkent, welches rund 24 Std. Zugfahrt von
Aktöbe entfernt liegt. Dementsprechend gut ist ihre Stimmung. Aus
ihren Handys dröhnen abwechslungsweise laute, kasachische Popsongs.
Hatte ich vorher allen Platz der Welt,
habe ich jetzt dafür eine spannende Begleitung. Nicht nur in meinem
Abteil läuft jetzt mehr, sondern auch im ganzen Zug. Aktöbe hat der
Zugfahrt gut getan.
Der Treffpunkt ist, wie könnte es
anders sein, der Speisewagen, in welchem jeden Abend ohrenbetäubend
laute, russische Musik gespielt wird. Ich lerne Oskar, einen Anwalt
mittleren Alters kennen.
Er will ein Whatsapp-Video mit mir
aufnehmen. Er gibt mir genaue Anweisungen wie er sich das Ganze
vorstellt. Also plappere ich meinen vorher bestimmten Text auf seine,
in gebrochenen Deutsch, vorher festgelegte Frage los; „Piiter, wie
findet Kasachstan?“ Piiter sagt völlig überraschend: „Kasachstan
ist ein wunderschönes Land und die Menschen sind äusserst
freundlich“ - Ich erhalte Bestnoten vom Regisseur.
Umgehend sendet er das Video an seine
ganze Bekanntschaft. Prompt erhält er Antwort von seiner Frau,
welche mich zum Essen und Übernachten bei ihnen einlädt, was
sicherlich interessant wäre, aber leider aus Zeitgründen nicht im
Plan liegt. Oskar zeigt mir noch ein paar Videos von seinem grossen
Haus und seinem grossen, deutschen Schäferhund, welcher sein ganzer
Stolz zu sein scheint. Anschliessend verschwindet er mit der
Bemerkung, dass jetzt Gebetszeit sei.
Dann sind da noch Ashkat, Alexeij und
Midhed. Ashkat fährt ebenfalls nach Almaty, um dort einen
Sponsorenvertrag seiner Firma mit dem kasachischen
Gewichtheberverbands abzuschliessen. Alexeij ist, nach seinen
Angaben, Reserve-Kosmonaut im Weltraumbahnhof Baikonur gewesen und
ist jetzt mit 44 Jahren pensioniert. Seit seiner Pension fehlt ihm
aber eine Aufgabe und er trinkt zu viel. Hätte er nicht zu erwähnen
brauchen – er kann sich kaum mehr auf den Beinen halten. Midhed ist
ebenfalls betrunken. Die Mutter des 40 jährigen Agraringenieurs ist
Tags zuvor verstorben und er ertrinkt seine Trauer in Wodka. Der arme
Kerl lallt nur noch und wird deshalb, unverständlicherweise, von den
Mitreisenden im Speisewagen nur belächelt.
Jirschan und Jokhan haben
zwischenzeitlich, bei einem der wenigen Halte, eine grosse Menge
geräucherten Fisch gekauft und diese im Abteil gelagert. Es riecht
im Abteil wie auf einem Fischkutter und wir würden wahrscheinlich
mühelos eine Lizenz als Fischmarkt erhalten.
Am nächstenTag sind Jirschan und
Jokhan weg. Die Fische auch – der Duft jedoch bleibt. Ihre Plätze
nehmen jetzt ein Vater/Sohn Gespann ein, welche in Chimkent an einer
Hochzeit waren, wobei der Vater aussieht wie Dschingis Khan in
Lederjacke.
Schnell ist auch diese Nacht vorüber
und wir fahren in Almaty, der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans,
pünktlich ein. Mehr als die Hälfte der Reise liegt somit hinter
mir...
| - 15 Grad in Aktöbe |
| Aktöbe |
| Jokhan, Jirschan und der kleine Nursultan |
| Jirschan und Jokhan auf Fischsuche |
| Reges Treiben an den Bahnhöfen |
| Kole -wir sind dann doch noch Freunde geworden |
| Zug Nr. 7 |
| Speisewagen |
Freitag, 21. November 2014
"...do you like Bin Laden?"
Ein jugendlich wirkender Grenzpolizist
in zivil setzt sich zu mir ins Abteil und lässt die Abteilstür weit
offen. Er wirkt eher scheu und redet leise. Er fragt mich, wie lange
ich in Russland war und wo ich in Moskau übernachtet habe. Warum ich
alleine unterwegs bin und warum ich nach Kasachstan wolle.
Wir sind an der Grenze zwischen
Russland und Kasachstan. 2 Stunden dauert die Zollabfertigung auf der
russischen Seite bereits. Die reguläre Pass-/Zollkontrolle ist schon
längst abgeschlossen. Nur ich werde noch vom Polizisten befragt. Im
restlichen Wagen ist es still, alle versuchen etwas von unserem
Gespräch zu erhaschen.
Er fragt mich nach meinen familiären
Verhältnissen aus und wie ich dazu komme eine solche Reise per Zug
zu machen, da der Flieger doch bequemer sei.
Dann ergreift er 2 meiner Bücher
welche ich auf dem Ablegetischchen liegen habe. Zum einen einen
russischen Sprachführer und zum andern 'Codename Geronimo', welches
von der legendären Sondereinheit 'Seal Team 6' und der Osama Bin
Laden's Elimenierung handelt.
„Aha, Bin Laden!“ räuspert der
Beamte in hohem, jetzt in merklich lauterem, Ton. „ Do you like Bin
Laden?“. Im Waggon ist es jetzt still wie stiller – ein
vermeintlicher Terroristenfreund im Zug? Ich erkläre ihm, dass es
hier nicht um das 'liken' von Bin Laden geht, sondern um die
'Special Force Amerikanski'. Er zeigt sich mit meiner Antwort
zufrieden, insistiert jedoch betreffend meines Aufenthaltsgrund in
Russland. Ich will ihm die Unterlagen meiner Reise zeigen. Zuoberst
im Bund befindet sich die Reservation des Hostels welches ich für
das Visum gebucht, später jedoch wieder annuliert habe. Da ich dem
Polizisten im jugendlichen Leichtsinn den Namen des richtigen Hotels
erwähnt habe, lasse ich die Reservierung gekonnt nach unten
verschwinden.
Aus heiterem Himmel meint der Beamte
„It was Pleasure for me“ und streckt mir seine Hand entgegen,
welche ich mit meiner, leicht verschwitzten Hand, ergreife und sie
kräftig drücke. Er steigt schnell aus dem Zug aus und ruft
gleichzeitig etwas durch sein Funkgerät.
Sekunden später setzt sich der Zug
sich in Bewegung. Jetzt bin ich in Kasachstan!
Mittwoch, 19. November 2014
Ungültiges Kasachstan-Visum oder will Kole Kohle?
Der Zug Nr. 7, Moskau – Almaty, steht
im Bahnhof Moskau PAV, auf dem Gleis 7 zum Einstieg bereit.
Der Zug führt ca. 20 Waggon mit
und zu jedem Waggon gehören 2-3 Reisezugbegleiter. So steht also
eine halbe Kompanie an Zugbegleiter, mit ihren militärisch wirkenden
Uniformen, vor dem Zug.
Auch bei meinem Waggon stehen zwei
Uniformierte. Einer der Zugbegleiter verlangt von mir Fahrkarte und
Pass. Er stellt sich mir als 'Kole', oder etwas in der Richtung vor.
Nachdem er meinen Pass und das kasachische Visum gemustert hat, meint
er trocken, dass das Visum nicht gültig sei. Ein Schreck durchfährt
mich – was habe ich falsch gemacht? Etwa etwas mit dem Datum des
Visas? Was mache ich nun-soll ich nach Almaty oder gleich nach Peking
fliegen? Oder will Kole mich nur verarschen, damit Kole Kohle machen
kann? Doch jetzt bemerke ich, dass mit Kole etwas nicht stimmt. Na
klar, der Typ ist unter der Haube voll wie eine Haubitze. Aber sowas
von sturzbetrunken. Sein Kollege nimmt sich meiner an und zeigt mir
mein Abteil. Kole lässt nicht nach und folgt mir ebenfalls zum
Abteil. Er stellt sich geschätzte 17 mal vor und redet russisch auf
mich ein. Die Chefin des Speisewagens kommt und zieht ihn, mit den
Händen gestikulierend, von meinem Abteil weg.
Zum Dank gehe ich kurz nach der Abfahrt
in den Speisewagen. Ich bestelle Plov (Reiseintopf) und ein Bier.
Kaum habe ich bestellt, gesellt sich ein junger, stark betrunkener
Russe zu mir und labbert mich voll. Ich esse fertig und verziehe mich
in mein Abteil. Beeilen muss ich mich nicht, denn die Fahrt im Zug
Nr.7 dauert noch ca. 81 Stunden..
| Zug Nr. 7, Moskau - Almaty |
| Kasachischer Zug |
Moskau gefällt
Ich liege im 18. Stock eines riesigen
Hotelkomplexes in einem Moskauer Vorort und werde von starken
Kopfschmerzen und Nasenbluten geweckt.
Während ich mich zum Bad quäle um
eine Schmerztablette zu nehmen und meine Nase zu reinigen, bemerke
ich, dass der Himmel im Horizont feuerrot ist. Einen solchen
Sonnenaufgang habe ich noch nie gesehen, oder zumindest kann ich mich
nicht mehr daran erinnern, was vermutlich eher der Fall sein wird. In
einem glühenden orange/rot zeichnet sich die Silhouette der Stadt
ab. Moskau begrüsst mich freundlich.
Das Morgenrot kündigt aber auch einen
kalten Tag an, das Thermometer wird den ganzen Tag die -6 Grad-Marke
überschreiten. Zudem schneit es ständig ein wenig.
Ich mache die Dinge, die Touristen halt
machen, wenn sie Touristen in Moskau sind. Ich besuche in den 2 Tagen
den roten Platz, die Basilius-Kathedrale, Kreml, Bolschoi-Theater,
einen Lebensmittelmarkt und und und...
Moskau gefällt – nicht nur wegen der
Sehenswürdigkeiten, sondern hauptsächliche wegen des
kosmopolitischen Flair, welches die Stadt umgibt. Russland ist
bekanntlich ein riesiges Land mit zig ethnischen Gruppen und so gibt
sich auch Moskau. Ich bin mit der Einstellung nach Moskau gefahren,
dass es teuer und gefährlich ist. Ich habe es nicht als extrem teuer
empfunden und ich habe mich nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil –
die Menschen lassen z.B. ihr Gepäck stehen um kurz ein einen Blick
auf ein Schaufenster zu werfen oder halten, das eben vom Bankomaten
bezogene Geld, noch Minuten in der Hand. Ich habe auch keine Nazis,
Jugendgangs oder Betrunkene gesehen. Auch der legendären GTA-Gang
bin ich, zum Glück, nicht über den Weg gelaufen.
Ich glaube eine der grössten Gefahren
ist der Strassenverkehr. Selbsternannte Formel 1 Piloten machen die
Strassen Moskaus zu ihrer privaten Rennbahn. Ein Überqueren der
Strasse stellt teilweise ein gefährliches Unterfangen dar.
Die Menschen habe ich nicht
kennengelernt. Slawen kann man nicht in 2 Tagen kennenlernen. Sie
sind eher unterkühlt, zum Teil auch abweisend – hat man das Eis
aber durchbrochen, gehören sie zu den freundlichsten und
hilfsbereitesten Menschen überhaupt. Wer schon deren
Gastfreundschaft geniessen durfte, weiss wovon ich schreibe. Zudem
liebe ich die Melancholie, welche einen grossen Teil der slawischen
Mentalität ausmacht.
Ich für meinen Teil reise jetzt weiter
in Richtung Osten. 2 Tage Moskau waren definitiv zu wenig, aber
vermutlich werde ich dies von jeder meiner Zwischenhalte schreiben...
| Moskau begrüsst mich freundlich |
| Moskauer Altstadt |
| Kremlmauer |
| Bolschoi-Theater |
| Basilius-Kathedrale |
| meine erste Bortsch-Suppe |
| Metro in Moskau... |
| ...als ob ein Zug direkt durch ein Schloss fahren würde. |
Sonntag, 16. November 2014
Ivan der Stinkende ist zurück und wir kommen pünktlich in Moskau an
| Ivan der Stinkende |
| Pünktliche Ankunft in Moskau um 2300h |
Grenzübertritt nach Weissrussland und eine Russe der nicht mehr lacht
Um 04.30 Uhr werden wir unsanft vom
Zugbegleiter geweckt. Er macht uns auf den bevorstehenden
Grenzübertritt nach Weissrussland aufmerksam. Während dieser Zeit,
rund 3 Stunden (!), werden die Toiletten verriegelt und können nicht
mehr verwendet werden.
Im zuvor ruhigen Waggon herrscht jetzt
plötzlich ein munteres Treiben.
Der polnische Beamte muss meinen Pass
mehrfach scannen, bevor ich ihn wieder zurück erhalte. Dies scheint
Ivan bestens zu amüsieren. Hat er kurz zuvor schon Witze über
meinen Pass gemacht, meint er jetzt lachend, dass ich bei
weissrussischen Zöllner besser gleich 100 Euro in den Pass legen
soll – da lacht er noch der Russe.
Jetzt besteigen die
weissrussischen Grenzpolizisten den Waggon. Die Pässe werden
eingesammelt und ich muss eine Ein-/Ausreisedeklaration ausfüllen.
Kurz darauf werden uns die Pässe zurück gegeben. Na also, geht ja
auch ohne 'Zusatzgebühr'...
Als nächstes ist der Beamte des Zoll's
an der Reihe. Mein Gepäck ist äusserlich schnell kontrolliert und
nun ist der Fokus der Beamten voll und ganz auf Ivan und seinen, grossen,
mitgeführten und gut verpackten Karton gerichtet. Es wird heftig
diskutiert und Ivan wird zunehmend stiller. Ich entnehme dem
Gespräch, dass es irgendwie um das Gewicht des Inhaltes des Kartons
gehen muss. Jetzt wird klar, Ivan hat ausgelacht-er erhält seinen
Fahrschein zurück und muss samt Karton die Beamten begleiten. Obwohl
ich dies niemanden gönne, kann ich mir ein inneres Schmunzeln nicht
verkneifen,,,
Pfiati Österreich - Добрый день Россия!
Michelle und ich verabschieden uns von
der Mama/Omi in Stainz. Eine schöne, erholsame Woche haben wir hier
verbracht. Ein guter Einstieg in die Reise, jetzt soll es aber weiter
gehen. Bislang war alles vertraut, jetzt aber wartet das Unbekannte
und das Neue.
Ich bringe Michelle zum direkten Zug
nach Zürich, wo wir uns ebenfalls verabschieden. Keine 30 Minuten
später sitze ich im Railjet in Wien. Ich war schon ein paar Mal in
Wien und trotzdem muss ich die 4 Stunden bis zur Abfahrt meines
Anschlusszuges nach Moskau irgendwie 'durchbringen'. Ich entscheide
mich für den Tiergarten Schönbrunn, den ältesten Zoo der Welt.
Ebenso wurde er mehrfach zum besten seiner Sparte in Europa gewählt.
Und was ich sehe gefällt mir-vor allem die Regenwaldhalle Borneo.
Zug Nr.D100 fährt pünktlich im
Bahnhof Wien Meidling ein und schnell verschwinde ich in einem der
modernen und luxuriösen Zweierabteil. Da es sich um einen reinen
Schlafwagenzug handelt, gab es leider nur diese Klasse zu buchen. Was
sich auch im Reisebudget bemerkbar macht. 300 Euronen verschlingt die
Fahrt – der Flug hätte rund 120 gekostet...
Kurz danach erhalte ich Gesellschaft in
Form eines ca. 55 jährigen Russen. Er riecht stark nach Alkohol und
seine Socken nach bereits mehrtägiger Reise. Er redet viel – meist
mit sich selber. Ich nenne ihn fiktiv Ivan und beobachte den
kurrligen Kauz ein wenig.
In Breclav (Tschechien) wird noch ein
Speisewagen angehängt, welchen ich natürlich nicht verwaisen lassen
möchte. So politisiere ich, bei Mikrowellengulasch und bitterem
tschechischen Bier, mit einer alten, witzigen Servicefachkraft über
die Pyramide des Kapital und dass immer mehr Züge aufgrund der
Rentabilität gestrichen werden und langsam unweigerlich dem Flugzeug
weichen müssen.
Genau solche kleinen Smalltalks mit
Reisenden oder Angestellten machen diese Reise für mich so wertvoll.
Das Reisen besteht nicht nur aus Sehenswürdigkeiten besuchen,
sondern auch, zu versuchen, einen kleinen Einblick in den Alltag
anderer Menschen zu gewinnen.
| Wien |
| Schloss Schönbrunn |
| Los geht's |
Mittwoch, 12. November 2014
Gemeinsamer Vater/Tochter-Tättowiertag
Wir fahren nach Maribor in Slowenien,welches nur rund eine Stunde von Stainz entfernt liegt. Der Grund der Reise ist nicht das schmucke Städtchen, sondern Marko. Marko ist seit 25 Jahren Tättowierer und wird der Hauptakteur am heutigen, bereits 3. Vater/Tochter-Tättowiertag sein. Zuerst plaudert man mit Marko über Gott und die Welt um sich im Anschluss von ihm, begleitet mit ohrenbetäubenden Deathmetal, Schmerzen bereiten zu lassen...Sachen gibts!
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Dienstag, 11. November 2014
Nervige Visen und wie ich Vladimir Putin über den Tisch gezogen habe
So bereichernd das Reisen ist, so nervtötend ist meist die administrative Vorarbeit-sprich die Visumbeantragung. Oftmals habe ich das Gefühl, dass dieser bürokratische Amtsschimmel nur existiert, um Herrscharen von Beamten mit künstlich generierter Arbeit zu versorgen. Für Beamte von, für das Weltgeschehen eher weniger wichtiger Länder, ist es zudem ein Machtinstrument-quasi ein Gott über Einreise oder eben nicht.
In der Kasachischen Botschaft hat sich der Konsul mit mir an einen Tisch gesetzt und mich über die Gründe meiner Reise nach Kasachstan unterhalten-das hatte schon eine bestimmte Gewichtigkeit. Ich habe mich vor dem Gespräch sogar rasiert.. ;-)
Bei anderen Ländern ist das Visum meist nur eine willkommene Einnahmequelle und nur noch eine Alibiübung. So z.B. China. Für die Einreise in China ist zwingend eine erste Hotelbuchung erforderlich..für was das nötig ist, weiss niemand-auch auf dem Konsulat nicht, aber es ist halt eine Voraussetzung für`s Visum. So buche ich in der Stadt, in welcher ich in China einreise, ein Bett in einem 10-Betten Schlafsaal für eine Nacht. Der Preis liegt bei rund 8 US-Dollar. Und wenn ich bei hostelworld.com buche, brauche ich nur eine Anzahlung von 10% des Zimmerpreises im voraus zu bezahlen. Also überweise ich 0.80 US-Dollar per Kreditkarte und erhalte zwei Tage später mein Visum-so funktioniert halt die Bürokratie. Eines ist sicher..ich werde das Bett definitiv niemals aus der Nähe sehen....
Ein ebenfalls spezieller Fall ist Russland. Nach Russland kann man nur reisen wenn von jemanden im Land eingeladen wird-entweder von einer Privatperson oder einem Hotel. Aber wer von uns ist schon mal von einem Hotel im Ausland eingeladen worden? Also besteht der Clou darin, sich ein Hotel zu buchen. Dieses lädt den Gast mittels Voucher nachträglich ein. Und mit dieser Einladung kann man dann das Visum beantragen-absolut nicht bürokratisch oder kompliziert...:-)) Aber ganz so einfach ist es doch nicht ganz. Ich buche 2 Nächte in einem Hotel in Moskau und plane dannach mit dem Zug direkt nach Kasachstan zu reisen. Das Hotel lädt mich für die 2 Tage des Aufenthaltes ein....aber wer lädt mich für die Zeit im Zug ein, welche ich von Moskau bis zur Kasachischen Grenze verbringe, ein? Das Bahnunternehmen machts nicht und so wird mir mitgeteilt, dass ich nur ein Visum für meine beiden Hoteltage erhalte. Und jetzt kommen wieder die Schlafsäle zum Zug...mittlerweilen liebe ich diese Schlafsäle, in welchen ich in meinen jüngeren Jahren manche Nacht verbracht habe. Wer ahnts nicht...ich buche 6 Nächten eine Bett eines Schlafsaales in einem Hostel, welches mich wiederum nach Russland einlädt-Danke! Kurz darauf erhalte ich tatsächlich mein russisches Visum. Das Tolle daran ist, dass ich bei booking.com bis kurz vor der Anreise die Buchung kostenlos stornieren kann, was ich natürlich auch mache. Ich habe den mächtigsten Mann der Erde, Vladimir Putin, mittels einem Hosteltrick, welchen sicher bereits zig Millionen von Reisenden angewendet haben, locker über den Tisch gezogen... ;-)
In der Kasachischen Botschaft hat sich der Konsul mit mir an einen Tisch gesetzt und mich über die Gründe meiner Reise nach Kasachstan unterhalten-das hatte schon eine bestimmte Gewichtigkeit. Ich habe mich vor dem Gespräch sogar rasiert.. ;-)
Bei anderen Ländern ist das Visum meist nur eine willkommene Einnahmequelle und nur noch eine Alibiübung. So z.B. China. Für die Einreise in China ist zwingend eine erste Hotelbuchung erforderlich..für was das nötig ist, weiss niemand-auch auf dem Konsulat nicht, aber es ist halt eine Voraussetzung für`s Visum. So buche ich in der Stadt, in welcher ich in China einreise, ein Bett in einem 10-Betten Schlafsaal für eine Nacht. Der Preis liegt bei rund 8 US-Dollar. Und wenn ich bei hostelworld.com buche, brauche ich nur eine Anzahlung von 10% des Zimmerpreises im voraus zu bezahlen. Also überweise ich 0.80 US-Dollar per Kreditkarte und erhalte zwei Tage später mein Visum-so funktioniert halt die Bürokratie. Eines ist sicher..ich werde das Bett definitiv niemals aus der Nähe sehen....
Ein ebenfalls spezieller Fall ist Russland. Nach Russland kann man nur reisen wenn von jemanden im Land eingeladen wird-entweder von einer Privatperson oder einem Hotel. Aber wer von uns ist schon mal von einem Hotel im Ausland eingeladen worden? Also besteht der Clou darin, sich ein Hotel zu buchen. Dieses lädt den Gast mittels Voucher nachträglich ein. Und mit dieser Einladung kann man dann das Visum beantragen-absolut nicht bürokratisch oder kompliziert...:-)) Aber ganz so einfach ist es doch nicht ganz. Ich buche 2 Nächte in einem Hotel in Moskau und plane dannach mit dem Zug direkt nach Kasachstan zu reisen. Das Hotel lädt mich für die 2 Tage des Aufenthaltes ein....aber wer lädt mich für die Zeit im Zug ein, welche ich von Moskau bis zur Kasachischen Grenze verbringe, ein? Das Bahnunternehmen machts nicht und so wird mir mitgeteilt, dass ich nur ein Visum für meine beiden Hoteltage erhalte. Und jetzt kommen wieder die Schlafsäle zum Zug...mittlerweilen liebe ich diese Schlafsäle, in welchen ich in meinen jüngeren Jahren manche Nacht verbracht habe. Wer ahnts nicht...ich buche 6 Nächten eine Bett eines Schlafsaales in einem Hostel, welches mich wiederum nach Russland einlädt-Danke! Kurz darauf erhalte ich tatsächlich mein russisches Visum. Das Tolle daran ist, dass ich bei booking.com bis kurz vor der Anreise die Buchung kostenlos stornieren kann, was ich natürlich auch mache. Ich habe den mächtigsten Mann der Erde, Vladimir Putin, mittels einem Hosteltrick, welchen sicher bereits zig Millionen von Reisenden angewendet haben, locker über den Tisch gezogen... ;-)
Freitag, 7. November 2014
Nur noch 12'000 Kilometer bis nach Bangkok...
Michelle,welche mich nach Oesterreich begleitet, und ich sitzen im Zug Nr. 465 und warten auf die Abfahrt in Zürich HB. Die ersten Kilometer sind geschafft. Winterthur - Zürich, 25 S-Bahn Kilometer-der wohl mit Abstand unspektakulärste Teil der Reise ist somit passé. Nun warten noch ca. 12'000 Kilometer, in schätzungsweise 9 verschiedenen Zügen auf mich. 9 Züge ist eigentlich gar nicht so viel. Mit etwas Pech benötigt man mit der SBB von Winterthur nach Neuchâtel 9 Züge.
Unsere erste Station wird die Steiermark, genauer gesagt Stainz, sein. Das ist kein, vor Sehenswürdigkeiten strotzender, Ort, jedoch für uns dennoch von Wichtigkeit-denn meine Mutter, also demnach Michelles Grossmutter, lebt dort. Genau, meine Eltern sind/waren Oesterreicher. Da ich erst mit 11 Jahren in der Schweiz eingebürgert wurde, bin ich also ein klassischer Fall eines'Papierlischwiizers'..
Und da ich/wir schon in Richtung Osten fahren, liegt ein Besuch bei Omi auf der Hand. Wir werden ca. 1 Woche bei ihr verweilen und uns mit Speis und Trank verköstigen lassen, bevor es dann definitiv in slawische Gefilde geht.
Mittwoch, 5. November 2014
Sonntag, 2. November 2014
Visum verweigert - Reiseroute steht trotzdem fest
In ein paar Tagen geht die Reise los. Eigentlich war meine Absicht via der Türkei, dem Iran, Turkmenistan und Usbekistan nach Kasachstan zu reisen. Die Rechnung habe ich aber ohne die äusserst pflichtbewussten Turkmenischen Beamten gemacht. Ein Touristenvisum ist mir aufgrund der anfallenden Kosten zu teuer. Turkmenistan ist leider immer noch eine Diktatur und verlangt, dass man während des Aufenthaltes mit einem Touristenvisum von Regierungsbeamten ständig begleitet wird. Diesen muss man über ein lokales Reisebüro buchen, was immens teuer ist und Transitvisum wird mir verweigert, da ich das genaue Einreisedatum nicht angeben kann. Das Alternativprogramm via Afghanistan scheint nicht sonderlich attraktiv.
Also muss ich ungewollt den Weg über Russland nach Kasachstan nehmen-zwar etwas weniger orientalisch, jedoch nicht minder interessant.
Dienstag, 23. September 2014
Freitag, 18. Juli 2014
Brestovac-Spuksanatorium
Am Südhang des Sljeme befinden sich die Ruinen von Brestovac, einem alten Sanatorium, welches im 19. Jahrhundert, erbaut wurde und Lungenkranken ihr Leiden kurieren konnten.
Gemäss Berichten von Einheimischen wandeln noch die Seelen von Verstorbenen in der Ruine und es soll, vorallem nachts, mächtig spuken..
Dienstag, 15. Juli 2014
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