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Mittwoch, 19. November 2014

Ungültiges Kasachstan-Visum oder will Kole Kohle?

Der Zug Nr. 7, Moskau – Almaty, steht im Bahnhof Moskau PAV, auf dem Gleis 7 zum Einstieg bereit.
Der Zug führt ca. 20 Waggon mit und zu jedem Waggon gehören 2-3 Reisezugbegleiter. So steht also eine halbe Kompanie an Zugbegleiter, mit ihren militärisch wirkenden Uniformen, vor dem Zug.
Auch bei meinem Waggon stehen zwei Uniformierte. Einer der Zugbegleiter verlangt von mir Fahrkarte und Pass. Er stellt sich mir als 'Kole', oder etwas in der Richtung vor. Nachdem er meinen Pass und das kasachische Visum gemustert hat, meint er trocken, dass das Visum nicht gültig sei. Ein Schreck durchfährt mich – was habe ich falsch gemacht? Etwa etwas mit dem Datum des Visas? Was mache ich nun-soll ich nach Almaty oder gleich nach Peking fliegen? Oder will Kole mich nur verarschen, damit Kole Kohle machen kann? Doch jetzt bemerke ich, dass mit Kole etwas nicht stimmt. Na klar, der Typ ist unter der Haube voll wie eine Haubitze. Aber sowas von sturzbetrunken. Sein Kollege nimmt sich meiner an und zeigt mir mein Abteil. Kole lässt nicht nach und folgt mir ebenfalls zum Abteil. Er stellt sich geschätzte 17 mal vor und redet russisch auf mich ein. Die Chefin des Speisewagens kommt und zieht ihn, mit den Händen gestikulierend, von meinem Abteil weg.
Zum Dank gehe ich kurz nach der Abfahrt in den Speisewagen. Ich bestelle Plov (Reiseintopf) und ein Bier. Kaum habe ich bestellt, gesellt sich ein junger, stark betrunkener Russe zu mir und labbert mich voll. Ich esse fertig und verziehe mich in mein Abteil. Beeilen muss ich mich nicht, denn die Fahrt im Zug Nr.7 dauert noch ca. 81 Stunden..

Zug Nr. 7, Moskau - Almaty

Kasachischer Zug

Moskau gefällt

Ich liege im 18. Stock eines riesigen Hotelkomplexes in einem Moskauer Vorort und werde von starken Kopfschmerzen und Nasenbluten geweckt.
Während ich mich zum Bad quäle um eine Schmerztablette zu nehmen und meine Nase zu reinigen, bemerke ich, dass der Himmel im Horizont feuerrot ist. Einen solchen Sonnenaufgang habe ich noch nie gesehen, oder zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern, was vermutlich eher der Fall sein wird. In einem glühenden orange/rot zeichnet sich die Silhouette der Stadt ab. Moskau begrüsst mich freundlich.
Das Morgenrot kündigt aber auch einen kalten Tag an, das Thermometer wird den ganzen Tag die -6 Grad-Marke überschreiten. Zudem schneit es ständig ein wenig.

Ich mache die Dinge, die Touristen halt machen, wenn sie Touristen in Moskau sind. Ich besuche in den 2 Tagen den roten Platz, die Basilius-Kathedrale, Kreml, Bolschoi-Theater, einen Lebensmittelmarkt und und und...

Moskau gefällt – nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten, sondern hauptsächliche wegen des kosmopolitischen Flair, welches die Stadt umgibt. Russland ist bekanntlich ein riesiges Land mit zig ethnischen Gruppen und so gibt sich auch Moskau. Ich bin mit der Einstellung nach Moskau gefahren, dass es teuer und gefährlich ist. Ich habe es nicht als extrem teuer empfunden und ich habe mich nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil – die Menschen lassen z.B. ihr Gepäck stehen um kurz ein einen Blick auf ein Schaufenster zu werfen oder halten, das eben vom Bankomaten bezogene Geld, noch Minuten in der Hand. Ich habe auch keine Nazis, Jugendgangs oder Betrunkene gesehen. Auch der legendären GTA-Gang bin ich, zum Glück, nicht über den Weg gelaufen.
Ich glaube eine der grössten Gefahren ist der Strassenverkehr. Selbsternannte Formel 1 Piloten machen die Strassen Moskaus zu ihrer privaten Rennbahn. Ein Überqueren der Strasse stellt teilweise ein gefährliches Unterfangen dar.

Die Menschen habe ich nicht kennengelernt. Slawen kann man nicht in 2 Tagen kennenlernen. Sie sind eher unterkühlt, zum Teil auch abweisend – hat man das Eis aber durchbrochen, gehören sie zu den freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen überhaupt. Wer schon deren Gastfreundschaft geniessen durfte, weiss wovon ich schreibe. Zudem liebe ich die Melancholie, welche einen grossen Teil der slawischen Mentalität ausmacht.

Ich für meinen Teil reise jetzt weiter in Richtung Osten. 2 Tage Moskau waren definitiv zu wenig, aber vermutlich werde ich dies von jeder meiner Zwischenhalte schreiben...

Moskau begrüsst mich freundlich

Moskauer Altstadt


Kremlmauer

Bolschoi-Theater

Basilius-Kathedrale

meine erste Bortsch-Suppe

Metro in Moskau...

...als ob ein Zug direkt durch ein Schloss fahren würde.


Sonntag, 16. November 2014

Ivan der Stinkende ist zurück und wir kommen pünktlich in Moskau an

In Brest, der ersten grösseren Stadt in Weissrussland, wird das mitteleuropäische Fahrwerk der Waggons in einer Werkhalle aus- und ein russisches eingebaut. Russland und auch Weissrussland hat eine andere Spurweite als wir in Westeuropa.
Nach dem Umbau fahren wir wieder in den Brestener Hauptbahnhof ein und wer steht da..?
Ivan der Stinkende!
Der Umbau hat ca. 3 Std. gedauert - Zeit genug also, für Ivan seine Problemchen zu regeln und wieder dem Zug zu zusteigen...
Auf den Schreck und meinem knurrenden Magen zuliebe kaufe ich mir bei einer Babuschka eine Portion Kartoffelpuffer.

Die weitere Fahrt führt durch Birkenwälder und an abgelegenen kleineren Ortschaften (abgesehen von Minsk) vorbei. Wie sehr die Schweiz verbaut ist, macht sich jetzt um so mehr bemerkbar. Zwischen durch schaue ich ein paar Serien im Lap und geniesse es einfach unterwegs zu sein.

Zwischenzeitlich, so wird mir durch Ivan mitgeteilt, hat man auch wieder einen Speisewagen an den Zug gehängt. Speisewagen ist jedoch übertrieben – die Hälfte eines Waggons wurde zu einem solchen umgebaut und bietet 2 Tische zur Verköstigung an. Alles ist noch hübsch im alten Sowjetunion-Style. Ich bestelle Rindssuppe, Würstchen und Salat, wobei besonders die Suppe sehr lecker ist. Dazu gibts echtes russisches Pivo, namens Tuborg (so zumindest wird es mir als russisch verkauft).

Mittlerweilen sind wie bereits in Russland und ich wundere mich weshalb es keine Zollkontrolle gibt. Mir wird erklärt, dass Weissrussland, Russland und Kasachstan ein Zollbündnis haben und es in diesen Ländern keine Kontrollen mehr gibt. Ah ok, und für was habe ich meine teuren Visen besorgt, wenn's eh keiner anschaut? Die nächste Zollkontrolle werde ich also in China haben – doch das geht noch eine Weile, denn ich bin erst kurz vor Moskau.

Was aus Ivan geworden ist? Ich hab ihn falsch eingeschätzt - er zeigt si h besorgt um mich und erklärt mir, dass ich Kasachstan vorsichtig sein muss, da dort eine Hauptader des Afghanistan Heroines sei. Ich beruhige ihn und versuche ihm zu erklären, dass ich stets vorsichtig bin,
Zu guter Letzt besorgt mir Ivan sogar noch ein günstiges Taxi in Moskau, wo wir pünktlich um 23.00 Uhr ankommen.

Unser Zug



Ivan der Stinkende
Pünktliche Ankunft in Moskau um 2300h